Mit Ein-Mann-Hubschrauber über dem Großstadtverkehr
Erfinder Willi Weihrauch ohne Geld - Ausland interessiert


Von unserem Redaktionsmitglied Karl Heinz xxxxxx


„Jetzt wird es aber Zeit, dass ich zur Arbeit fliege, Komm, Mutter, hilf mir mal schnell die
„Fug" umschnallen!4' Und die Mutter half: ein Rückentrageblech und eine Art Tragsattel -
nach Fallschirmart durch Traggurte an den Körper geschnallt - daran unten ein kleiner
Spezialmotor mit Auspuffruhren, darauf Kardanwelle mit Gehäuse, Kugelsteuergelenk und
zwei Paar gegenseitig rotierende, abklappbare Tragflächen. Die Tragflächen werden
hochgeklappt, die elektrische Zündung betätig:, "uud ab schwirrt der „Ein-Mann-
Hubschrauber" zur Arbeitsstätte.


Eine Utopie? - Nein diese „Fug" oder Flug und Gleiteinrichtung gibt es wirklich, wenn auch
noch nicht in Serienherstellung und als Verkehrsmittel zwischen Heim und Arbeitsstätte.
Bereits mit 14 Jahren bastelte der heute in Düsseldorf beheimatete Techniker Willi Weihrauch
zum ersten mal an dieser Sache. 1926 führte er sie erstmals maßgebenden Stellen vor.
Ergebnis und Urteil: „Nettes Kinderspielzeugk Im „tausendjährigen Reich" war man entschieden
anderer Meinung. Bei einer Zwangs Vorführung durch den KZ-Häftling Weihrauch meinte
Generaloberst Schörner: „Hervoragend und kriegsentscheidend !" Doch man schrieb bereits
Frühjahr 1945 und das tausend­jährige Reich zerfloß, ohne die Erfindung ausgewertet zu haben.

Nach dem letzten Krieg verhinderte ein alliiertes Gesetz die Weiterentwicklung der Fug. Zudem
fehlten Geld und Materialien. Erst seit April dieses Jahres konnte Willi Weihrauch bei seinem
Vetter Hans Schmitz in Neuß. der jetzt die kaufmänische Seite übernahm, wieder tatkräftig
zupacken Doch Erfindungen kosten Geld, ehe sie auch etwas einbringen. Hans Schmitz nahm
einen hohen Kredit auf, gedeckt durch ein vielfach wertvolleres Besitztum. Inzwischen wurde
dieser Kredit noch nicht zu drei Fünfteln in Anspruch genommen gekündigt. Grund:"Die
Verwirklichung einer angedrohten Zwangsversteigerung hängt noch in der Luft. Der Erfinder
steht praktisch ohne Mittel da.
Verantwortliche Stellen der Landesregierung und auch der Bundesrepublik zeigen weder
Interesse noch Verständnis. Wenige Stellen, die in der Erfindung einen hohen Wert erkannten,
haben keine Mittel das Projekt zu fordern. Auf einen Hinweis, dass das Ausland stark
interessiert sei, antwortete man auf einer Stelle der Bundesregierung: Dann verkaufen Sie doch
die Sache an die Interessenten!" - Und das Ausland ist interessiert. Mehr als verlockende
Angebote, vor allem aus Schweden. England und den USA liegen vor. Müssen deutsche
Erfinder immer erst ins Ausland gehen, um große Ideen verwirklichen zu können?
Das Ziel des Erfinders und seines Mitarbeiters ist. die „Fug" zu einem regulären Verkehrsmittel
zu gestallten, um so weitgehend die große Verkehrskalamität und -enge zu entlasten. Die „Fug'"
soll aul jedem Dach.auf jedem Hof oder ähnlichen Flächen steigen können. Die Betätigung ist
äußerst einfach. Ein Steuerknüppel (rechte Hand) betätigt das Kugelsteuergelenk und reguliert
die Flugrichtung. Ein Hebel links öffnet und schließt die Tragflächen und bewirkt damit das
Fallen und Steigen (zwischen x,2 und x,2 Meter in der Sekunde), eine Art Gashebel wieder
reguliert den Motor.

Die Apparatur ist in der Steuerung von der Windrichtung unabhängig. Die „Fug" kann auch
ohne Antriebsaggregat zum Absprung benutzt werden. Die seitlich nach unten abgeklappten
lösen bei einem einstellbaren Druck automatisch aus. Damit ist auch ein Verunglücken bei
Motorenversagender ..motorisierten Fug" ausgeschlossen. Einige Technische Daten: Gewicht
mit Antriebsmotor 34 kg. ohne 18kg. 250 ccm Zweizylinder-Kolbenmotor mit 14 PS
Dauerleistung:"Verkehrs'-Flughöhe 80 Meter, Geschwindigkeit über lOOkm/st. Der Preis
und die Unterhaltungskosten sollen denen eines Motorrades entsprechen.


Neben der Verwendung im Personen-Nahverkehr und als Absprungsicherung in
Verkehrsflugzeugen an Stelle des Fallschirms- großes Interesse aus Amerika- ist das
Augenmerk des Auslandes hauptsächlich auch auf eine militärische Auswertung gerichtet.
Fallschinntruppen könnten z.b. beim Absprung infolge der „lenkbaren Fallgeschwindigkeit
und -Richtung schon in der Luft sammeln und einfacher - „stehend" - landen. Auch Einsätze
von Truppe mit Motor-Fugs wären damit möglich. Bedauerlich war nur. dass infolge eines
Tragflächenschadens der Erfinder seine Apparatur nicht im 11 ug vorführen konnte.
Er versprach uns aber, das baldigst nachzuholen.