Der Riedel-Anlasser
für TL-Triebwerke


Vorbemerkung
Mit der Entwicklung der TL-Triebwerke ergab sich auch die Notwendigkeit, besondere Anlasser hierzu zu entwickeln. Der nachstehend beschriebene Riedel-Benzinanlasser, bei den Victoria-Werken, Nürnberg entwickelt, wurde z. B, zum Starten des BMW 003 und des Jumo 004 verwendet. Wir halten ihn für so interessant, daß wir die uns vorliegende Kurzbeschreibung im vollen Wortlaut wiedergeben wollen.
Hier nun der Text:

Vorwort:
Der RIEDEL-Benzin-Anlasser RBA/S 10 (RLM-Geräte-Nummer 9-7034 A) ist ein Anlasser für S-Triebwerke (so wurden die TL-Triebwerke bezeichnet), der als Antriebsquelle einen Zweizyl.-Zweitaktmotor hat. Das Drehmoment des Motors wird von der Kurbelwelle über eine Freilaufkupplung auf ein Getriebe, welches 4,8 : 1 untersetzt ist, übertragen und von dort auf die Anwerfklaue, welche in die Gegenklaue im S-Triebwerk eingreift. Als Betriebsstoff dient normales Flugbenzin mit 5 % Ölbeimengung. Der Anlasser wird durch einen kleinen Elektromotor angeworfen und kann auch von Hand gestartet werden.

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Es findet der gleiche Motor Verwendung wie beim RBA/F 10, Geräte-Nr. 9-7033 A. Der Anlasser unterscheidet sich lediglich durch dss Getriebe und die Kupplung.
Baubeschreibung

1. Hauptmerkmale und Wirkungsweise
Als Kraftquelle dient ein luftgekühlter Zweitaki-Motor mit 10-PS-Leistung, der über eine * Kupplung mit einem Getriebe kraftschlüssig verbunden wird.
« Die Inbetriebsetzung des Motors erfolgt elektrisch oder von Hand, wobei die Handgriffe bei der Inbetriebsetzung dieselben sind wie beim Schwungkraftanlasser.
1. Niederdrücken des Anlaßschaltergriffes
2. Ziehen am Anlaßschaltergriff
Beim Miederdrücken des Anlaßschaltergriffs gelangt Kraftstoff in den Motor, Beim Zie­hen am Anlaßschaltergriff wird die Zündung und der elektrische Anlasser eingeschaltet; ille weiteren Vorgänge, Schalten auf Frühzündung, Steuerung der Kraftstoffzufuhr, Ein­schieben der Klaue, Einkuppeln, wickein sich automatisch ab.

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Loslassen des Anlaßschaltergriffes gehen alle Steuerhebel in ihre Ausgangsstellung zurück.

2. Aufbau
Der luftgekühlte Zweizylinder-Zweitaktmotor mit 270 ccm ist mit einem Elektromotor und mit einer Handstartvorrichtung ausgerüstet.
Ein Kühlgebläse sorgt für die Zuführung der Kühlluft, Der schwimmerlose Vergaser ist weitgehend lageunempfindlich. Das Öffnen und Schließen der Kraftstoffeintrittsboh­rung und der Tupfbohrung erfolgt durch Magnetventile.
Der Motor ist mit einer automatischen Zündverstelleinrichtung und einer automatischen Steuereinrichtung für die Kraftstoffdosierung, die in Abhängigkeit von der Drehzahl be­tätigt wird, ausgerüstet.
Die Leistungskurve des Motors verläuft sehr flach.
Bei n = 4000 Umdr. erreicht der Motor 30% seiner Höchstleistung, die er bis 8000
Umdr. hält.

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Dieser flache Verlauf der Leistungskurve ist für das Arbeiten mit einer Getriebeunterset­zung sehr wichtig, da der Drehmomentanstieg zwischen 8000 und 4000 Umdr. der Wir­kungsweise eines stufenlosen Getriebes in einem Bereich von 1:1 bis 1 : 2,5 gleich­kommt. Um den Läufer des Triebwerks hochzudrehen, müßte eigentlich ein stufenloses Getriebe Anwendung finden. Da jedoch der Aufwand für ein stufenloses Getriebe zu groß ist, wurde lediglich eine Freilaufkupplung dazwischengeschaltet. Die Kupplung hat zunächst keinen Kraftschluß. Die Anwerfklaue wird bei niederer Motcrdrehzahl ca. 500 bis 1000 Umdrehungen eingeschoben. Beim Erreichen einer höheren Motordrehzahl ca. n = 4000 wirken Stahlkugein durch ihre Fliehkraft auf die Kupplungslamellen ein, so daß das Drehmoment der Kupplung etwas unter dem Motordrehmoment liegt. Beim Erreichen höherer Drehzahlen wird die Kupplung starr.

3. Getriebe
Ein Planetgetriebe reduziert die Motordrehzahl in einem Verhältnis 4,8 : 1.

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4. Handaufzug und Motoranlasser

An der Gebiäseseite des Motors ist eine Seilrolle angeordnet, auf welche ein ca. 1 m
langes Drahtseil aufgerollt ist. Für S-Triebwerke ist an der Handstartvorrichtung eine Umfenkrolle vorgesehen, welche das Seil um 90° umlenkt und es ermöglicht, daß die Zugrichtung annähernd achsgleich mit der Motorachse verläuft, Soll der Motor von Hand gestartet werden, so wird an dem Seil gezogen.
Durch die Drehung wird eine mit der Seilrolle kraftschlüssig verbundene sägeverzahnte Büchse in eine Gegenverzahnung an der Kurbelwelle eingeschoben und der Motor in Drehrichtung mitgenommen. Beim Loslassen des Seüzuges wird das Seil durch eine in der Seilrolle eingebaute Rückholfeder wieder in die Ausgangsstellung zurückgeholt. Die Inbetriebsetzung ist die gleiche wie beim Anlassen mit Elektromotor, jedoch muß die Leitung zum Schaltschütz durch einen besonderen Schalter unterbrochen werden, um den E-Anlasser auszuschalten.
Der Elektromotor wird beim Ziehen am Aniaßschaltergriff über einen Schallschutz mit eingeschaltet und treibt über ein Räderpaar direkt auf die Kurbelwelle, mit welcher er durch einen Freüauf gekuppelt wird

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5. Vergaser
Der Vergaser ist schwimmerlos, mit zwei Magnetventilen ausgerüstet, wobei das eine Magnetventil die Kraftstoffzufuhr vom Behälter steuert, das andere Magnetventil hat die Aufgabe, die erforderliche Kraftstoff menge zum Inbetriebsetzen des Motors zuzuführen.
Die als Drehschieber ausgebildete Düsenwelle ist mit vier Zerstäuberbohrungen verse­hen. Durch Drehen der Welle wird der Drehschieber geöffnet und die Kraftstoffzufuhr für den laufenden Motor gesteuert. Die Drehung der Welle wird durch einen Hilfskolben hervorgerufen, auf welchen Druckluft aus dem Kurbelgehäuse einwirkt.

6. Bedien- und Anschfußgeräte
Zum Anlasser gehören im wesentlichen der Anlaßschalter, der Schaltschütz und der Kraftstoff-Filter.
Der Anfaßschalter hat die Aufgabe, die Verbindung von der Bordbatterie mit der Zünd­einrichtung, mit den Kraftstoffventilen und indirekt über den Schaltschütz mit dem Elektroanlasser herzustellen. In Ruhestellung des Anlaßschalters ist das Gerät gänzlich stromlos.
Die Stromzuführung geht über den Anlaßschalter und den Schaltschütz zum Brand-schottstecker und von da aus direkt zum Gerät.

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